Krabbelnderweise

Manchmal ist man als „Blümchenfotograf“ gezwungen, sich krabbelnderweise übers Grundstück zu bewegen, um das spezielle Licht an und um die schönsten „Unkräutlein“ einzufangen. Manch Nachbar schaut dann etwas überrascht (und amüsiert), aber wat mutt dat mutt. 😉
(wobei die Einstellung der Schärfenbereiche am Lensbaby noch intensiv geübt werden müssen, man möge es mir bitte verzeihen)

Apropos Unkraut – sind das die Pflanzen, die da wachsen, wo sie nicht sollen. (???)

Egal, bei uns dürfen sie… Die artenreiche Insekten- und Vogelwelt dankt es

An der Altmühl (Epilog)

Samstag, 02.07.2022

Heute ist Massenabfertigung früh 8 Uhr beim Frühstück, das ist leider nicht so angenehm, da war die Ruhe in den bisherigen Unterkünften wesentlich schöner.

9.30 kommt das bestellte Taxi zum Bahnhof. Am Regensburger Bahnhof ist dann etwas Chaos. Unser Zug besteht aus zwei Teilen, ein Teil soll nach Hof, ein Teil nach Prag fahren. Er kommt von München, ist lt. Ansage schon brechend voll und dann heißt es zunächst, der Pragzug fällt aus, kurz danach, der ganze Zug fährt nur bis Schandorf. Frust macht sich breit, überall ringsum ratlose Gesichter. Die Bahn machts möglich.

Im Zug ergattern wir dann glücklicherweise sogar Sitzplätze, der Zug fährt nun entgegen der Ansage durch bis Hof, der Prager Teil bleibt hängen, fährt ebenfalls bis Hof und die Prag-Reisenden müssen in Schwandorf aussteigen und 2 Stunden auf den nächsten Zug warten, wobei keinesfalls sicher ist, dass sie dort mit kommen. Es gibt nur eine leichte Verspätung , der Anschluss von Hof nach Leipzig wird geschafft, der Elster-Saale-Express ist kleine Regionalbahn und bummelt mit kaputter Klimaanlage durchs Land.

So kommen wir wohlbehalten in Leipzig an, schaffen die S-Bahn nach Hause und am Bahnhof erwartet uns unsere Jüngste mit dem Auto, so dass wir nicht einmal laufen müssen.

Fazit: Es war schön. Auch wenn es eine organisierte Tour mit dem ungewohnten Luxus des Gepäcktransports war, blieb doch die erwartete Individualität dabei vollkommen erhalten. Gerne also wieder auf diese Weise, die Leihräder waren in Ordnung, fuhren sich gut, erfüllten ihren Zweck und ersparten uns die lästigen und nervenden Ungewissheiten mit eigenen Rädern in den Zügen der Deutschen Bahn.

Auch die Landschaft, obwohl wir es an der Donau schon 2020 erlebten, ist schön, besonders reizvoll das enge Waldtal mit den vielen Flussschleifen, den alten Städtchen und Burgen. Lohnenswert… Und nicht zuletzt waren es die vielen kleinen und größeren giftigen Anstiege, die wir hier nicht erwarteten und die uns vor unserer nächsten, großen Radtour im September noch einmal ein gewisses Maß an nötigem Respekt verschaffen.

An der Altmühl (6)

Freitag, 01.07.2022

Schon nachts gab es etwas Regen, morgens aber ist es lediglich bedeckt und trocken, nur unterbrochen von kurzen Schauern – na wird schon irgendwie bis Regensburg gehen.

Packen, Frühstück und noch ein kleines Schwätzchen mit den Vogtländern, die sich heute aufs Kartenschreiben beschränken. Wir aber müssen los, Abfahrt gegen halb zehn.

Es weht Rückenwind und so rollt es heute zügig, locker und entspannt.

Vor Riedenburg lernen wir ein Paar Radler, vielleicht nicht sehr viel älter als wir, aus dem Raum München kennen. Es folgt eine sehr nette Unterhaltung und ein Zusammen-Radeln bis Riedenburg. Sie haben, wie wir, auch mehrmals die Familie mit den zwei kleinen Kindern auf der Tour getroffen. Kurzer Abstecher in die kleine Altstadt, nur mal schnell zum Durchradeln, kühl ist es, grau ist es, die Sorge vor dem angekündigten Regen treibt uns weiter..

Schnell sind wir dann schon in Essing und lassen es uns dort aber nicht nehmen, zu Fuß die Räder zum Blautopf, einer Karstquelle, nicht ganz so gewaltig und schön wie die in Blaubeuren, zu schieben. Der direkte Weg über ein Privatgrundstück ist gesperrt, also müssen wir durch den Wald und können nur von oben gucken. Sehenswert ist es jedoch auch von hier oben. Eindrucksvoll thront etwas weiter Schloss Prunn auf einem mächtigen Felspfeiler über dem Tal. Rasch geht es nun bis Kelheim, es ist (zum Glück) immer noch trocken.

Wir eilen zur Bootsanlegestelle, wollen den Gutschein für die Schifffahrt durch den Donaudurchbruch nach Weltenburg und zurück einlösen, aber blöderweise habe ich den in der Reisetasche vergessen und die ist irgendwo im Bus unterwegs. Es wäre aber eh schon recht spät gewesen, drei Stunden hätten wir sicher dafür einplanen müssen und wir haben noch 35 km vor uns – und es soll ja dauerregnen.

Der Weg weiter an der Donau entlang ist nun von 2020 bekannt, noch ein paar Fotos an der Altmühlmündung, tschüss Altmühl.

Poitkam, wieder Erinnerungen an den Nordbayern-600er 2015 und München – Zweenfurth 2015, Bad Abbach, die lange Donauschleife, dann Einkehr im Biergarten in Matting zu Kartoffelsuppe und Käsekuchen bis es anfängt zu tröpfeln. Und da düsen doch glatt noch die Österreicher von Rothenburg an uns vorbei, sie haben es auch geschafft.

Da es sehr kühl ist und auf dem Wetterradar eine dunkelblaue Regenfront im Anmarsch ist, geben wir etwas Gas, bis Regensburg sind es nur noch 12 kmchen. Schnell, schnell, ehe der Regen einsetzt. Die Naabmündung, die Autobahnbrücken, die letzte Flusskurve, heute sind hier kaum Leute unterwegs, dann über die Schleusenanlagen zum Ibis Styles Hotel im Norden der Stadt.

Punktlandung! Nach dem Einchecken und der Abgabe der Räder im Fahrradschuppen beginnt es, richtig zu regnen, perfekt!!!

Das Hotel ist wieder ein moderner Kasten von der Stange, aber ok – wir wollen hier nur übernachten. Und wir haben jetzt und hier wieder einmal eine schöne Tour, die viel zu schnell vorbei ist, hinter uns und wieder einmal das Gefühl im Hinterkopf, eigentlich sehr gern noch viel weiter radeln zu wollen und zu können.

Nach dem Duschen ist Stadtgang, die Sonne scheint wieder. Regensburg als Ziel dieser Tour ist auch in diesem Jahr das Pünktchen auf dem i. Wir kehren im gut besuchten Biergarten der Alten Linde zu einem üppigen Essen, Regensburger Teller, Würschtl, Schweinefleisch, Kraut und Knödel – ein Genuss 😉 ein, ehe wir uns im schönen Abendlicht in die Stadt treiben lassen. An der Steinernen Brücke machen wir genau da, wo wir vor zwei Jahren am Donauufer saßen, noch ein paar Fotos, aber heute sind hier kaum Leute zu sehen, die Altstadt ist ebenfalls wesentlich weniger bevölkert als 2020.

Kurz zum Dom, Besuch der Porta Praetoria, an der Steinernen Brücke genießen wir noch einmal das überaus gute Schoko-Eis und dann bummeln wir langsam zum Hotel zurück.

Wettertechnisch hatten wir großes Glück, die angekündigten Regenfälle fielen (fast) komplett aus, so blieb es trotz zwei recht trüben Tagen trocken. Am Inn dagegen gab es mehrere Tage mit heftigem Regen und Unwettern, also hat sich doch (zumindest für uns) alles irgendwie zum Guten gefügt.

heute 68 km Tour

An der Altmühl (5)

Donnerstag, 30.06.2022

Heute Nacht endlich um Einiges besser geschlafen, bin trotzdem zeitig, noch lange vor dem Wecker wach, die Kirchenglocken, das Müllauto, da ist draußen mehr los als in der Großstadt.

Oben in den Bergen Nebel, die Burg von Kipfenberg hüllt sich in graue Schleier, das wirkt recht mystisch. Aber dann wird es wieder sonnig, wir packen, geben die Taschen ab und eilen zum Frühstück, mir hat es ganz besonders die gute Fleischerwurst angetan.

Heute drängt uns nichts, die Etappe ist grundsätzlich nur 37 Kilometer lang, weil wir ein ganzes Stück vor Riedenburg nächtigen werden. Also ist erst gegen 9.30 Abfahrt. Bis Kinding gibt es wieder kleine Hügel, heftige Anstiege, dann rauscht ein, zwei Kilometer lang neben uns parallel der dicke Verkehr auf der A9, ehe wir diese unterqueren und weiter nach Osten rollen.

So sind wir sehr rasch in Beilngries, das wäre schon mehr als die Hälfte heute. Es gibt ein Eis am Markt, die kleine Altstadt reizt uns nach den letzten Tagen nicht mehr so sehr, wir beschließen dagegen, dem Tipp im bikeline zu folgen und am Main-Donau-Kanal entlang den Abstecher nordwärts nach Berching, 10 km über Hügel hin und dann auch wieder zurück, zu machen. Das lohnt sich, Berching hat eine schöne kleine Altstadt, die liebe Reisegefährtin kneippt am Bach, und wir haben einen angenehmen Schwatz mit einem nettem Radler, der von Alfeld nach Graz will. Am Markt gibt es ein kleines Mittag – Obazda – wieder einmal – aber wieder einmal auch sehr lecker.

Die Rückfahrt nach Beilngries ist dann etwas einfacher, als vom Hinweg her befürchtet. Wir durchqueren schnell das Städtchen und fahren an der Altmühl weiter, ehe wir in der Wärme noch eine „Tank“-Rast in einem schönem Biergarten machen. Danach geht es weiter bis kurz vor Dietfurt, dort auf Schotterwegen am Kanal lassen wir das Städtchen aus und schauen uns stattdessen die Mündung der Altmühl in den Main-Donau-Kanal an.

Bis Meihern, einem ca. 10 Kilometer vor Riedenburg liegenden Dörfchen, zur Pension Schmid ist es nicht mehr weit. Sehr angenehm hier, still und ländlich, die Chefin gehört zu den älteren Semestern und zeigt eine nicht dick aufgetragene natürliche Freundlichkeit.

Während wir uns abendfein machen, wird der Wolkenhimmel indessen im Süden schwarz, morgen soll es Dauerregen (laut Prognosen) geben. Wir sitzen zum Abendessen auf der Terrasse an der Pension. Das ist hier überraschenderweise ein reiner Sachsentreff, außer uns sind noch drei weitere Ehepaare, die hier Urlaub machen. Dann wird zum Tagesabschluss ein kleiner Gang an den abendlichen Kanal unternommen und der dunkel drohende Wolkenhimmel kurz auf dem Balkon noch beobachtet. Und morgen den ganzen Tag im Dauerregen? Keine tolle Vorstellung…

heute 59 km Tour

An der Altmühl (4)

Mittwoch, 29.06.2022

Der sich täglich wieder verfestigende und zur Gewohnheit werdende Rhythmus stellt sich ein.

Packen, Taschen unten deponieren, unscheinbar wirken unsere Reisetäschchen gegenüber den teilweise recht üppig dimensionierten Schalenkoffern. Was werden die Leute wohl alle dabeio haben für diese Woche?

Das Frühstück ist wieder ok, ein Niederländer erklärt der Chefin die Zubereitung eines 2-Minuten-Eies und besteht darauf, dass sie dieses sogleich servieren möge. Nun denn…

9 Uhr, eine Stunde zeitiger als gestern, ist heute Abfahrt.

Wir müssen, weil wir nicht in Treuchtlingen nächtigten, 10 Zusatzkilometer absolvieren, aber das bringt uns ja nicht um. Das Wetter ist trübe, der Wind weht von SW, wir haben also leichten Rückenwind. Regen und heftige Gewitter sind angesagt, da wollen wir schon nah am Ziel sein, wenn die Gewitter eintreffen.

Zu Hause ebenfalls Dauerregen angesagt – am Ende fällt jedoch kein Tropfen, wie können die Vorhersagen so daneben liegen??? Und auch hier regnet es vorerst nicht, es wird schwül, aber sonst nix

Am Karlsgraben bei Treuchtlingen treffen wir das österreichische Paar. Kurzer netter Gruß, sie sind etwas früher als wir hier gewesen und radeln schon weiter, wir schauen uns noch kurz um. 793 wollte Karl der Große einen Kanal graben lassen zwischen der Schwäbischen Rezat, die zum Rhein fließt und der Altmühl, die zur Donau fließt. Ein kluges Vorhaben, wie auch immer man schon damals feststellte, dass geogaphisch hier dafür die beste Stelle sei, das scheiterte aber leider.

Schnell radeln wir danach durch Treuchtlingen, Erinnerungen an den 600er 2015 sind plötzlich da, die Gegend ist vertraut. Das Tal bis Pappenheim wird nun kurvenreich, waldig, eng, schön. Fotopause in Pappenheim, der Ruf der Pappenheimer geht übrigens auf die besondere Tapferkeit und Robustheit der von hier stammenden Söldner im 30jährigen Krieg zurück.

Solnhofen ist alsbald erreicht. Solnhofen und seine Steinbrüche, in denen man reichliche Funde von urzeitlichen versteinerten Tieren hatte und wohl noch hat. Das berühmteste, hier gefundene Exemplar ist der Vorläufer der Vögel, der Achaeopteryx, dem man unweit ein Denkmal gesetzt hat.

Zeit für ein zweites Frühstück. Abstecher in die nahe Klosterbäckerei, Kaffee und Kuchen im Hof zwischen Hühnern und Kaninchen, das ist Idylle pur, ein wahrer Geheimtipp.

In der Nähe des Bahnhofs befindet sich ein Laden mit vielen schönen Versteinerungen aus dem Solnhofener Steinbruch, die anzuschauen wir uns auch nicht entgehen lassen.

Weiter rollen wir nun durch das schöne Tal mit vielen Flusswindungen, vorbei an den Felsgruppen der 12 Apostel am gegenüberliegenden Ufer. Es ist immer noch stark bewölkt und schwül – aber trocken.

Weit ist es nun auch bis Eichstätt nicht mehr, die Burg ist eindrucksvoll, das Stadtzentrum hochherrschaftlich, bischöflich barock, sogar eine Universität gibt es hier, wir aber kehren nirgendwo ein, wir hoffen auf einen schönen Biergarten am Fluss. Doch nix ist! Alles zu oder eben gar nix…
Also bleibt uns an einer mittelalterlichen Brücke nur eine Rast mit Power-Riegeln übrig. Aber gut so, dass wir wenigstens die im Magen haben, denn auf den letzten Kilometern bis Kipfenberg lauert noch ein heftiges Auf und Ab im Wald am Fluss. Gegen 17 Uhr kommen wir an der Pension beim Metzger Neumeyer an. Alles ist gut – und trocken, der angesagte Regen fällt also auch hier aus, es wird langsam sogar wieder sonnig, gibt offenbar auch keine Gewitter mehr heute.

In Österreich dagegen gab es Unwetter, Hochwasser, Murenabgänge, kleiner Blick zum Inn rüber, auch da schüttete es heute heftig. Glück gehabt, Flixbus sei Dank.

Nach dem Abendessen im Gasthof folgt noch ein kleiner Rundgang durch den Ortskern und schließlich die Einkehr auf Bierchen und Radler im Biergarten. Kein bekanntes Gesicht ist zu sehen, wo werden „unsere“ Altmühlradler alle abgestiegen sein?

ca . 85 km Tour heute, die Königsetappe

An der Altmühl (3)

Dienstag, 28.06.2022

6.45 Uhr Aufstehen, wir packen rasch, stellen die Taschen an der Rezeption ab und lassen uns das gute Frühstück schmecken. Gegen 10 Uhr ist Abfahrt, auf Schleichwegen südlich aus Ansbach hinaus, befinden wir uns bald in einem schönen Bachtal, sind dort nicht ganz die Einzigen, aber die E-Radler sind schnell unseren Blicken entschwunden. Stellenweise führt der Schotterweg steil hinauf nach Elpersdorf, ehe wir es danach lange nach Herrieden hinab rollen lassen können. Dort halten wir uns allerdings nicht lange auf, machen ein paar Fotos an der schönen Altmühlbrücke mit Storchentor und kurbeln dann zügig in Richtung Gunzenhausen Altmühl-abwärts

Die Gegend ist recht eintönig, weit dehnt sich die Talfläche mit den riesigen Feldern. Indessen dreht der Wind auf NO und weht nun schräg von vorn. Die Wolken verdichten sich, südwärts bilden sich Mammatuswolken, der erwartete Regenschauer löst sich aber wieder auf, ohne uns zu erreichen, dann ist es auch schon wieder leicht bewölkt, sonnig

So halten wir an einem schöne Biergarten ein paar Kilometer vor dem Altmühlsee und bestellen uns zum kleinen Mittag eine Portion Grupften – das ist die fränkische Version von Obazda, sehr lecker, dazu Radler und alkfreies Hefeweizen zum Nachtanken. So lässt es sich leben.

Am und um den Altmühlsee herum bis Gunzenhausen treffen wir im Anschluss auf extrem viele Graugänse. Ungefähr 10 km vor Treuchtlingen biegen wir am Abzweig nach Trommetsheim von der Hauptroute ab und nehmen einen schönen Feldweg über einen flachen Seitenkamm. Oben auf einer Bank unter einer alten Eiche ist noch einmal Rast, ehe es dann auf dem Radweg an der stark befahrenen Straße bis Weißenburg hinab geht.

Bevor wir das Hotel suchen, schauen wir uns noch am 2000 Jahre alten Römerkastell um. Das Hotel am Ellinger Tor ist schnell gefunden, die Taschen sind schon da, das klappt gut, das Zimmer ist ok, perfekt.

Beim anschließenden Altstadt-Rundgang kehren wir im Biergarten des „Goldenen Adlers“ ein, die Kellnerin wirkt resolut, souverän und ist sehr nett, die liebe Reisegefährtin muss meine Hellen vom Fass aufholen und bekommt nach dem prima Essen noch einen Absacker, einen Slivovitz, gleich auf das eben gezahlte Trinkgeld verrechnet, sozusagen kostenlos ausgeschenkt.

Wir wollen morgen früher los, man prognostiziert hohe Gewittergefahr am Nachmittag und vor uns liegt morgen die „Königsetappe“ über 85 km bis Kipfenberg, da wollen wir nachmittags schon recht zeitig am Ziel sein.

heute ca. 70 km

An der Altmühl (2)

Montag, 27.06.2022

Es ist auch nachts sehr warm, und irgendwann werde ich noch von einem heftigen Regenguss ohne Blitz und Donner kurz geweckt. Dann heißt es, nicht so spät aufstehen.

8 Uhr stehen wir an der Werkstatt, man übergibt uns die Fahrräder, das für die liebe Reisegefährtin passt einwandfrei, bei meinem ist der Rahmen etwas kurz, in den nächsten Tagen werde ich sehr aufrecht und rückenschonend sitzend durch die Gegend rollern. Aber die Räder sind wirklich ok, die Schaltung topp eingestellt, die Kette rutscht butterweich über Kettenblätter und Ritzel, so dass wir (fast) jeden Berg damit schaffen werden. Toll – muss man schon sagen, besser als auf dem eigenen Rad.

Wir packen unser Tagesgepäck inkl. Regenjacke in die Gepäcktaschen, danach gibt es im Gasthof ein gutes Frühstück, ein Paar aus Österreich will mit geliehenen City-Bikes dieselbe Tour bis Regensburg fahren, ich lasse so nebenbei noch meine Erfahrungen von dem 2014er-Mörderanstieg von Burgbernheim hinauf zur Altmühlquelle heraushängen, Beide gucken nun ziemlich zweifelnd, sie nehmen den Originaltrack, wir dagegen fahren einen kleinen Umweg, der kein Umweg ist, aber den Anstieg auf 300 m Schieben verkürzt und uns Körner sparen hilft.

Schnell das Bier von gestern Abend noch zahlen, den Sattel am Rad der lieben Reisegefährtin einstellen, und dann Abfahrt.

Es ist nach dem nächtlichen Regen stark bewölkt, nicht so heiß, das ist gar nicht mal so verkehrt, der Wind weht von W. Wir verlassen Rothenburg nordwärts und fahren über Schweinsdorf, zunächst geht es sanft an den Berghängen aufwärts, die Schaltung lässt viele Anstiege zu, nur in Nordenberg das Steilstück, das müssen wir schieben. Und das sollte auch (fast) das einzige heute sein.

Danach rollen wir wunderbar durch Windelsbach nach Hornau, wo sich etwas oberhalb die Quelle befindet, sehen tatsächlich recht wenig Radler und – Wiedererkennungseffekt und kleines Nachdenken über die damaligen Zeiten, als wir noch ganz andere „Dinger“ drauf hatten – das ist die Straße, die wir bei der DNS 2014 fuhren. Vorbei, die Phase ist abgeschlossen, will den Druck, die Schinderei, ehrlich gesagt, gar nicht mehr – aber schön wars trotzdem 😉

An der Quelle treffen wir auf zwei ältere Paare – mit E-Bikes, sie werden nun nicht die Letzten sein, die wir auf derlei Fahrzeugen sehen werden.

Fotos – hier gehts los, dann kurzes Rollen bergab und Rast am Hornauer Weiher, wo sich nun angesichts der durch die Wolken blinzelnden Sonne Euphorie einstellt.

Das Leben ist schön und kann so einfach sein.

Über die Hochfläche geht es auf asphaltierten oder fest geschotterten und gut befahrbaren Feldwegen an der Altmühl entlang bis Binzwangen, dessen weithin sichtbarer Kirchturm schon aus der Ferne grüßt.

Der offizielle Radweg macht ein paar kleinere Umwege auf sehr ruhigen Landsträßchen, dann sind wir rasch in Colmberg. Zur Burg hoch – das heißt Schieben, indessen kurbeln mit schlechtem Gewissen, wie sie uns wissen lassen, zwei E-Biker an uns vorbei 😉

Dann nehmen wir ein kleines Mittag im Gutshof unterhalb (ich mache zum erstenmal Bekanntschaft mit den wirklich leckeren Fränkischen Bratwürsten mit Kraut) Die Kellnerin hat den Laden im Griff und ist sehr nett, die Pause genießen wir und sehen dort Radler, die wir gestern Abend in der Schranne sahen, und welche die Route ebenfalls (als seltene Bio-Radler) fahren, dazu kommen noch viele E-Biker.

Danach weichen wir, weil wir nun einmal schon fast oben auf dem Bergkamm sind, den wir sowieso überqueren müssen, von der Route ab und wechseln, teilweise schiebend, teilweise voooorsichtig, die Bremsbeläge strapazierend, steil hinüber nach Berndorf und ins Rezat-Tal, kommen noch einmal in den Genuss eines schönen Panoramas über die Hochebene um Collmberg und rollen dann zügig durch Lehrdorf bis hinunter nach Ansbach. Schnell sind wir im Stadtzentrum und finden auch gleich den historischen Gasthof „Schwarzer Bock“ in der Altstadt. Nette Begrüßung. Eine sehr barockes (dunkles) Zimmer mit fantasievoller Ausstattung . Und das Gepäck ist auch schon da.

Nun erst einmal Duschen, dann folgt ein Stadtrundgang.
Ansbach war einst hochherrschaftliche Residenz von fiesen, gierigen Adligen, die ihre Untertanen wegen des Zasters als Soldaten schnell mal sogar nach Amerika in den Krieg verkauften. Mit dem Geld ließen sie sich ein prunkvolles Schloss bauen, versuchten dabei, Versailles nachzuahmen. Der Hofgarten wirkt angenehmer auf uns, die schöne Orangerie die kunstvoll angelegten Beete und Baumalleen, dort finden wir auch das Denkmal für Kaspar Hauser, vermutlich an der Stelle, wo er lebensgefährlich verletzt wurde und Tage später daran starb. „Hier wurde ein Geheimnisvoller auf geheimnisvolle Weise getötet 14. Dez. 1833.“ steht darauf lateinisch geschrieben.

Danach kehren wir im Garten unseres Gasthofs ein, man propagiert ausschließlich Bio und lässt das für die Gäste auch etwas kosten. Aber es schmeckt.

Zum Abschluss schlendern wir noch einmal in die Stadt, sehen uns das andere Kaspar-Hauser-Denkmal in der Altstadt an, telefonieren noch mit der Jüngsten und dann geht es zurück – Ruhe – das war ein schöner Tag.

ca. 55 km Tour

An der Altmühl (1)

Sonntag, 26.06.2022

Der Schlaf in der Nacht vor dem Urlaub ist unruhig, es ist ja auch das erste Mal seit viiiiielen Jahren, dass wir quasi organisiert fahren. Aber 1994 zum Beispiel hatten wir auf der Afrika-Kilimanjaro-Tour sehr gute Erfahrungen mit den “Wikingern” gemacht. Warum also so aufgeregt…

5 Uhr treibt es mich schließlich hoch, schnell noch den Rest gepackt, etwas gefrühstückt, dann, 6.30 Uhr geht es an diesem sonnigen Morgen zu Fuß zum Bahnhof. Mit S-Bahn nach Leipzig, auf dem Hauptbahnhof genießt die liebe Reisegefährtin noch einen Coffee-To-Go, ich bin eigenartigerweise vor Spannung wie elektrisiert und werde erst ruhiger, als wir im Zug sitzen. Der Regionalzug nach Nürnberg ist zwar schon in Leipzig voll, aber wir sitzen (!) und das macht die 4-Stunden-Fahrt bis Fürth erträglich.

Ohne Verspätung schaffen wir den Umstieg in die S-Bahn nach Neustadt an der Aisch, die ist etwas leerer, dann erreichen wir dort auch pünktlich den noch kleineren Zug nach Steinach (bei Rothenburg), der im Bummeltempo durch die Lande rollert und noch leerer als die S-Bahn ist. Die kleine Regionalbahn von Steinach nach Rothenburg schließlich ist wieder voller, aber dafür fährt sie nur noch 15 Minuten. Kurz vor Rothenburg überqueren wir bei Burgbernheim die Straße, die Thomas und ich bei unserer Deutschlandreise 2014 nahmen.

Rothenburg, 14.51 Uhr, es ist sonnig, heiß…

Wir sind da, das Hotel “Goldenes Fass” ist nach wenigen hundert Metern rasch gefunden. Der Empfang ist ausgesprochen freundlich, das ist der nächste positive Eindruck heute, morgen früh 8 Uhr bekommen wir in der kleinen Werkstatt von “Donau-Reisen” etwas weiter oben unsere Leihräder, das Gepäck sollen wir nur immer gegen 9 Uhr an der Rezeption abstellen. Noch kurze Erläuterungen zu den Modalitäten, dann geht es ins Städtchen, wo die Touristen nur so wimmeln.

Wir genießen die Atmosphäre trotzdem in diesen kleinen Gässchen mit den wunderbaren alten Häusern, schön ist es hier, wenn Zeit wäre oder man sich aufraffen könnte, müsste man ganz spät oder ganz früh noch einmal hierher, wenn die Touris schon oder noch schlafen… Nun ja, so bleibt uns nichts Anderes übrig, als uns in die Karawane einzureihen und die „üblichen“ Fotos zu machen 😉

Nach einiger Suche bekommen wir im Biergarten des Gasthofs zur Schranne ein richtig gutes herzhaftes Abendbrot, sehen dort auch Donau-Reisen-Leute, darunter eine junge Familie mit zwei winzig kleinen Kindern, die ebenfalls an der Altmühl entlang fahren wollen. Wir werden also nicht die Einzigen sein, aber die liebe Reisegefährtin bleibt entspannt und meint, das würde sich verteilen.

Zum Absschluss gibt es noch ein Bierchen im Hotelgarten, dort sitzen auch etwas ältere Altmühlaspiranten, die bei Wikinger buchten. Bin gespannt, was morgen los ist – Zustände wie auf der A9???

An der Altmühl (Prolog)

Manche Vorhaben schiebt man auf – bis zur Rente vielleicht… Zum Beispiel den Altmühl-Radweg, der stand nun gar nicht auf dem Plan.
Warum? Zum Einen wegen seiner relativen Kürze, deswegen gleich eine ganze Woche auf Reisen zu gehen, würde sich schon gar nicht lohnen – oder wegen des vermutlich harmlosen Rentner- oder kindergeeigneten Charakters, das meint man den Veröffentlichungen über diese Tour zu entnehmen – oder wegen der an sich nicht ausgesprochen außergewöhnlichen Landschaft an diesem Flüsschen, welches ja nicht einmal ins Meer sondern via Main-Donau-Kanal lediglich in die Donau mündet.

Unsere Gedanken gingen da eher in etwas spektakulärere Richtungen, demzufolge blieben wir im zeitigen Frühjahr an der Idee, den Inn-Radweg zu fahren, hängen. Dank Corona und anderer Unwägbarkeiten zum Beispiel bei der Deutschen Bahn oder Flixbus gab es zudem wenige Möglichkeiten, das Ausgangsziel inkl. Radmitnahme zu erreichen bzw. das Ziel heimwärts zu verlassen.

Zum Glück eröffnete Flixbus wieder die Nachtbus-Verbindung von Leipzig nach Innsbruck, was die Situation rettete. Nun konnten wir getrost die Quartiere buchen und uns auf die Suche nach dem Rücktransport machen. Bahn – Fehlanzeige – keiner der ICEs hatte Fahrradstellplätze so wie in den letzten Jahren verfügbar. Vertrackt, auch hier blieb nur wieder Flixbus, die eine 9 (!!!) -stündige Rückfahrt samt Rädern von Passau nach Leipzig anboten.

Nun war also alles in Sack und Tüten – sollte man meinen – sogar der Tourenplan, der in diesem Jahr erheblich verkürzt war, stand. Perfekt!

Bis dann eines Tages Flixbus lapidar per Mail verkündete, dass die Nachtbus-Verbindung nach Innsbruck aus betrieblichen Gründen eingestellt war und man vorsorglich unsere Tickets auf die Taglinie umbuchte – allerdings wären wir da erst 23 Uhr in Innsbruck, würden also den gesamten Tag im Bus verbringen und den ersten Urlaubstag somit verlieren. Das konnte und durfte nicht sein, also hieß es, alles kündigen, was bis dahin gebucht war, den Fahrpreis erstattete man uns abzugsfrei zurück, lediglich für die Rückfahrt behielt man wenige Euros ein.

Und nun?

Unsere Regierung hatte auf Grund der enormen Preissteigerungen überall dem Volke ein Geschenk präsentiert und ein monatliches 9-Euro-Ticket für den Nahverkehr für Juni, Juli und August eingeführt. Das bedeutete nach den ersten eintreffenden Nachrichten völlig überfüllte Nahverkehrszüge, ICE fiel von vornherein aus. Der Frust war groß – was tun???

Bis wir im Wikinger-Katalog auf Rad-Individualreisen stießen. Man konnte dort (inkl. Leihrädern) ausgewählte Flussradwegtouren (und Andere) buchen. Der nächste Weg führte uns nun also im Mai ins Wikinger-Reisebüro in Leipzig und mit zwei Rad-Individualreisen-Buchungen im Gepäck verließen wir den Laden schließlich wieder.

Eine individuelle Tour auf dem Altmühl-Radweg (Standpunkte sind schließlich dazu da, um geändert zu werden) sollte nun in der Juni-Urlaubswoche der “Testballon” vor einer etwas längeren und herausfordernderen Fahrt im September werden.

Das Ganze hat nun den Charme, dass wir lediglich mit Reisetaschen, ohne eigene Räder anreisen, das 9-Euro-Ticket dabei nutzen konnten und man unser Gepäck bei den Tagesetappen vom Start zum Ziel befördern wurde. Zu den Leihrädern würde es Gepäcktaschen für das Tages-Gepäck geben. Die Unterkünfte wären durchgebucht, inkl. Frühstück natürlich – der blanke Luxus – für uns…

Pünktlich trafen die Reiseunterlagen ein, bezahlt war auch alles, zugegeben, der Luxus kostete uns etwa das Doppelte, als wenn wir völlig privat gefahren wären. Aber angesichts der katastrophalen Weltsituation – was soll’s – lasst uns einfach das Leben genießen.