An der Altmühl (2)

Montag, 27.06.2022

Es ist auch nachts sehr warm, und irgendwann werde ich noch von einem heftigen Regenguss ohne Blitz und Donner kurz geweckt. Dann heißt es, nicht so spät aufstehen.

8 Uhr stehen wir an der Werkstatt, man übergibt uns die Fahrräder, das für die liebe Reisegefährtin passt einwandfrei, bei meinem ist der Rahmen etwas kurz, in den nächsten Tagen werde ich sehr aufrecht und rückenschonend sitzend durch die Gegend rollern. Aber die Räder sind wirklich ok, die Schaltung topp eingestellt, die Kette rutscht butterweich über Kettenblätter und Ritzel, so dass wir (fast) jeden Berg damit schaffen werden. Toll – muss man schon sagen, besser als auf dem eigenen Rad.

Wir packen unser Tagesgepäck inkl. Regenjacke in die Gepäcktaschen, danach gibt es im Gasthof ein gutes Frühstück, ein Paar aus Österreich will mit geliehenen City-Bikes dieselbe Tour bis Regensburg fahren, ich lasse so nebenbei noch meine Erfahrungen von dem 2014er-Mörderanstieg von Burgbernheim hinauf zur Altmühlquelle heraushängen, Beide gucken nun ziemlich zweifelnd, sie nehmen den Originaltrack, wir dagegen fahren einen kleinen Umweg, der kein Umweg ist, aber den Anstieg auf 300 m Schieben verkürzt und uns Körner sparen hilft.

Schnell das Bier von gestern Abend noch zahlen, den Sattel am Rad der lieben Reisegefährtin einstellen, und dann Abfahrt.

Es ist nach dem nächtlichen Regen stark bewölkt, nicht so heiß, das ist gar nicht mal so verkehrt, der Wind weht von W. Wir verlassen Rothenburg nordwärts und fahren über Schweinsdorf, zunächst geht es sanft an den Berghängen aufwärts, die Schaltung lässt viele Anstiege zu, nur in Nordenberg das Steilstück, das müssen wir schieben. Und das sollte auch (fast) das einzige heute sein.

Danach rollen wir wunderbar durch Windelsbach nach Hornau, wo sich etwas oberhalb die Quelle befindet, sehen tatsächlich recht wenig Radler und – Wiedererkennungseffekt und kleines Nachdenken über die damaligen Zeiten, als wir noch ganz andere „Dinger“ drauf hatten – das ist die Straße, die wir bei der DNS 2014 fuhren. Vorbei, die Phase ist abgeschlossen, will den Druck, die Schinderei, ehrlich gesagt, gar nicht mehr – aber schön wars trotzdem 😉

An der Quelle treffen wir auf zwei ältere Paare – mit E-Bikes, sie werden nun nicht die Letzten sein, die wir auf derlei Fahrzeugen sehen werden.

Fotos – hier gehts los, dann kurzes Rollen bergab und Rast am Hornauer Weiher, wo sich nun angesichts der durch die Wolken blinzelnden Sonne Euphorie einstellt.

Das Leben ist schön und kann so einfach sein.

Über die Hochfläche geht es auf asphaltierten oder fest geschotterten und gut befahrbaren Feldwegen an der Altmühl entlang bis Binzwangen, dessen weithin sichtbarer Kirchturm schon aus der Ferne grüßt.

Der offizielle Radweg macht ein paar kleinere Umwege auf sehr ruhigen Landsträßchen, dann sind wir rasch in Colmberg. Zur Burg hoch – das heißt Schieben, indessen kurbeln mit schlechtem Gewissen, wie sie uns wissen lassen, zwei E-Biker an uns vorbei 😉

Dann nehmen wir ein kleines Mittag im Gutshof unterhalb (ich mache zum erstenmal Bekanntschaft mit den wirklich leckeren Fränkischen Bratwürsten mit Kraut) Die Kellnerin hat den Laden im Griff und ist sehr nett, die Pause genießen wir und sehen dort Radler, die wir gestern Abend in der Schranne sahen, und welche die Route ebenfalls (als seltene Bio-Radler) fahren, dazu kommen noch viele E-Biker.

Danach weichen wir, weil wir nun einmal schon fast oben auf dem Bergkamm sind, den wir sowieso überqueren müssen, von der Route ab und wechseln, teilweise schiebend, teilweise voooorsichtig, die Bremsbeläge strapazierend, steil hinüber nach Berndorf und ins Rezat-Tal, kommen noch einmal in den Genuss eines schönen Panoramas über die Hochebene um Collmberg und rollen dann zügig durch Lehrdorf bis hinunter nach Ansbach. Schnell sind wir im Stadtzentrum und finden auch gleich den historischen Gasthof „Schwarzer Bock“ in der Altstadt. Nette Begrüßung. Eine sehr barockes (dunkles) Zimmer mit fantasievoller Ausstattung . Und das Gepäck ist auch schon da.

Nun erst einmal Duschen, dann folgt ein Stadtrundgang.
Ansbach war einst hochherrschaftliche Residenz von fiesen, gierigen Adligen, die ihre Untertanen wegen des Zasters als Soldaten schnell mal sogar nach Amerika in den Krieg verkauften. Mit dem Geld ließen sie sich ein prunkvolles Schloss bauen, versuchten dabei, Versailles nachzuahmen. Der Hofgarten wirkt angenehmer auf uns, die schöne Orangerie die kunstvoll angelegten Beete und Baumalleen, dort finden wir auch das Denkmal für Kaspar Hauser, vermutlich an der Stelle, wo er lebensgefährlich verletzt wurde und Tage später daran starb. „Hier wurde ein Geheimnisvoller auf geheimnisvolle Weise getötet 14. Dez. 1833.“ steht darauf lateinisch geschrieben.

Danach kehren wir im Garten unseres Gasthofs ein, man propagiert ausschließlich Bio und lässt das für die Gäste auch etwas kosten. Aber es schmeckt.

Zum Abschluss schlendern wir noch einmal in die Stadt, sehen uns das andere Kaspar-Hauser-Denkmal in der Altstadt an, telefonieren noch mit der Jüngsten und dann geht es zurück – Ruhe – das war ein schöner Tag.

ca. 55 km Tour

15 Kommentare zu „An der Altmühl (2)

  1. Eine schöne Tour und tolle Fotos
    LG Andrea

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  2. und läßt geahnte Zusammenhänge nicht zu.

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  3. Danke für die umfangreichen Informationen. Theorien und ihre Widerlegung, – so ist uns aber nicht wirklich geholfen, Mythos und „wissenschaftliche Beweise“ im Gegensatz, als stritten sich hier 2 ganz unterschiedliche Auffassungen der Welterklärung. Der Verstand behält die Oberhand und läßt geahnte

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  4. Der geschriebene Teil ist sehr interessant und die schönen Bilder tragen das Ihrige zu diesem Beitrag bei.
    VG
    Christa

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    1. Vielen Dank Christa. Das Reiseunternehmen hatte uns extra einen guten,übersichtlichen und informativen Reiseführer zusammengestellt.

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  5. Beautiful tour ! Thanks for sharing your experience with excellent photos 🙂☺️

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      1. It’s my pleasure stay blessed ❣️💕

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  6. Die bunten Schirme auf den Seilen, eine fröhliche Idee.

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  7. Kaspar Hauser, – wer war er? Hier sind 2 stille würdige Gedenkorte.

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      1. Ja, wer war wohl Kaspar Hauser wirklich…

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