Reformationstag (2)

Kalt ist es, sehr kalt, es vermischen sich wunderbar beim langsamene Tagesdämmern die blauschwarzen Nachtfarben mit dem Weiß des Raureifs, des Nebels und den aufkommenden warmen Lichtern der Sonne, die lange braucht, um sich über den Horizont zu erheben.
Aus der Welt und aus der Zeit.
Na nicht ganz, denn auf den Feldern sind mit der zunehmenden Helligkeit die Bauern mit Traktoren unterwegs, am Damm hält ein kleiner Transporter, ein Mann gesellt sich von dort hinzu und stellt die mittlerweile gewohnte Frage, was man denn da fotografieren würde.
Der Uhu entscheidet sich als Antwort für „Vögel“ – das klingt vermutlich plausibel, denn nach früheren Erfahrungen würde es mit großer Sicherheit auf Unverständnis stoßen, wenn man zugeben würde, lediglich Sterne, Schlamm und Bäume im Nebel zu knipsen, um die Kälte dieses Morgens im Bild einzufangen.
So entspinnt sich aber eine kleine, recht nette Unterhaltung, denn der Mann, bei der Gemeinde beschäftigt, kennt sich aus. Er ist nicht unbedingt ein Freund der Grünen, das merkt man schnell, denn das seien eher die Stadtmenschen, die Landmenschen hätten da ein weniger verklärtes, eher sachlicheres Verhältnis, die Wildschwein- und Waschbärenplage nehme überhand, die Tiere seien jedoch extrem klug und wüssten genau, wo sie nicht gejagt werden dürfen, die Biber sähe er lieber an der Mulde drüben, der Wald hier würde leiden, der Kormorane gebe es auch zu viele und die hier schon seit Jahren eingewanderten Wölfe – ja tatsächlich, diese sind trotz naher Großstadt auch in unserer Nähe schon unterwegs, hätten schon etliche Schafe gerissen und nun warte er auf auf eine brenzlige Situation mit Menschen, damit mal etwas geschehe, doch er ist trotzdem sehr an den Tieren hier interessiert und beobachte regelmäßig die Eisvögel in der Nähe oder das Fasanenpärchen da am anderen Ufer, welches dem Fotografierenden Uhu glatt entgangen ist. Die Silber- und Graureiher sind nach kurzer Pause im Schlamm bereits weiter geflogen.

24 Antworten auf “Reformationstag (2)”

      1. Wer Elche und Rehe reißen kann… Der Wolf ist für den Wald das, was der Hai für das Meer ist. Durch sein Verschwinden wurde massiv die Vermehrung des Rotwildes und der Wildschweine begünstigt. Das wird nur gerne verschwiegen.

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        1. Man wird die Ergebnisse des Wolfsminitorings abwarten müssen. Interessante Infos gibt es bei der DBBW (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf). Letztlich kursieren ziemlich falsche Ansichten über den Wolf. Nicht ohne Grund gibt es in der Geschichte so viele Horrormärchen.

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